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T-City.de

"De-Mail soll einfach, schnell und sicher sein"

21.01.2010

In Wirtschaft und Verwaltung kann die neue De-Mail eine Menge Geld sparen. Zudem läßt sich das De-Mail-Konzept gut auf andere Länder übertragen. Über die Entwicklung und Perspektiven von De-Mail sprachen wir mit Jens Dietrich vom Innenministerium.

Frage: In der T-City Friedrichshafen wird die De-Mail seit einigen Wochen erstmals in der Praxis getestet. Wie kam es eigentlich zu diesem Projekt und seit wann arbeiten Sie daran?

Jens Dietrich, Bundesministerium des Innern

"Bereits heute werden viele Vorgänge über E-Mail abgewickelt, die früher selbstverständlich über die Briefpost abgewickelt wurden", Jens Dietrich, Bundesministerium des Innern (BMI).


Jens Dietrich: Im Rahmen eines Pilotprojektes sollten möglichst frühzeitig Akzeptanz der De-Mail und Umsetzbarkeit der Konzepte getestet werden. Dafür erschien eine mittelgroße Stadt mit guter IT-Infrastruktur und einer ausgeprägten Aufgeschlossenheit neuen Technologien gegenüber als gut geeignet. So kam Friedrichshafen schnell in die engere Wahl. Die Entscheidung fiel im Vorfeld des dritten IT-Gipfels und wurde dort am 20. November 2008 in Form einer gemeinsamen Erklärung der teilnehmenden Unternehmen und Behörden verkündet.

Frage: Wann soll die De-Mail offiziell in Deutschland eingeführt werden?

Jens Dietrich: Rechtliche Voraussetzung für die Zulassung ist das De-Mail-Gesetz (ehemals Bürgerportal-Gesetz), das aus Zeitgründen in der letzten Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet wurde. Die neue Bundesregierung hat die Verabschiedung des De-Mail-Gesetzes in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen. Vor diesem Hintergrund ist geplant, dass De-Mail allen Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Behörden in der zweiten Jahreshälfte 2010 zur Verfügung steht.

Frage: Welche Schritte sind dafür noch notwendig? Welche Hürden gibt es?

Jens Dietrich: Voraussetzung für die bundesweite Einführung der De-Mail sind akkreditierte De-Mail-Provider. Da die Akkreditierung auf Basis des De-Mail-Gesetzes erfolgt, ist zuvor die Verabschiedung des De-Mail-Gesetzes erforderlich. Für die Akkreditierung sind unter anderem verschiedene Zertifikate notwendig. Da diese Zertifikate auf bereits vorhandenen Zertifizierungsstrukturen aufbauen, können alle interessierten Provider mit der Zertifizierung ihrer De-Mail-Plattformen bezüglich Sicherheit, Funktionalität und Interoperabilität bereits Anfang 2010 beginnen.

Frage: Warum braucht Deutschland aus Ihrer Sicht die De-Mail? Was bringt das System Unternehmen und Privatnutzern?

Jens Dietrich: Das Projekt ist eine Reaktion auf Forderungen von Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft und Verwaltung nach einer im Vergleich zur E-Mail sichereren und dennoch einfachen Möglichkeit zur Online-Kommunikation. De-Mail soll so einfach, schnell und bequem sein wie E-Mail, aber gleichzeitig so zuverlässig, sicher und verbindlich wie die Papierpost. Sie soll also die Vorteile von elektronischer und papierbasierter Welt vereinen. Unternehmen werden per De-Mail mit ihren Kunden und Geschäftspartnern ohne Medienbruchkosten und daher deutlich preisgünstiger elektronisch kommunizieren können. Die Risiken der heutigen E-Mail hinsichtlich Vertraulichkeit, Fälschungsschutz, Verbindlichkeit aber auch Spam und Phishing usw. werden mit De-Mail vermieden.

Frage: Wie viele Euro lassen sich in Wirtschaft und Verwaltung jährlich durch De-Mail einsparen?

Jens Dietrich: Das wird am besten an einem Beispiel deutlich. Allein bei den deutschen Versicherern, die jährlich rund 800 Millionen Schreiben per Briefpost versenden, sind laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr möglich. In anderen Branchen wird es ähnlich hohe Einsparpotenziale geben.

Frage: Ist De-Mail auch auf andere Länder übertragbar?

Jens Dietrich: Ja, das De-Mail-Konzept lässt sich gut auf andere Länder übertragen, da De-Mail auf Technologien aufsetzt, die auch für E-Mail verwendet werden und deshalb schon überall verfügbar sind. Deshalb bringen wir De-Mail auch in entsprechende Standardisierungsprojekte ein. Im Augenblick richtet sich der Schwerpunkt unserer Arbeit aber erst einmal darauf, De-Mail in Deutschland flächendeckend verfügbar und erfolgreich zu machen.

Frage: Bedeutet die De-Mail das Ende der Briefkommunikation?

Jens Dietrich: Bereits heute werden viele Vorgänge über E-Mail abgewickelt, die früher selbstverständlich über die Briefpost abgewickelt wurden. Insofern haben wir hier seit langem einen Strukturwandel. Mit De-Mail geht es uns darum, diese elektronische Kommunikation endlich hinreichend sicher zu machen.

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